Facebook übernimmt WhatsApp: Medien schreien – Nutzern ist‘s egal

Wer heute morgen irgendeine Zeitungs-App aufgeschlagen hat, dürfte gesehen haben, dass Facebook WhatsApp für rund 14 Milliarden Euro übernommen hat. Gratulation an den Entwickler Brian Acton. Und, Facebook, das hättet ihr im August 2009 auch billiger haben können:

Was ihr jetzt sehen werdet: Ein Aufschrei geht durch die sozialen Netze (allen voran Facebook), meist getrieben von Zeitungen. „Jetzt wechseln“ werdet ihr lesen, „die besten Alternativen zu WhatsApp“ wird getitelt werden oder auch „Was passiert mit meinen Daten?“. Letztere Frage kann euch die Zeitung wohl nicht beantworten. Wäre auch etwas verlogen, da sie wahrscheinlich zeitgleich 15 bis 25 Tracker-Dienste auf ihrer Homepage mitlaufen lässt, die so ziemlich alle eure Browserinformationen an irgendwelche Werbedienste schicken (Spiegel Online ist da ganz groß dabei).

Tatsächlich wird sich durch den Kauf wenig ändern. Dass WhatsApp eine Datenschleuder ist, sollte jedem bewusst sein, der nach der Installation ALLE seine Kontakte in der App aufgelistet sieht, die ebenfalls WhatsApp nutzen. Diese Bequemlichkeit ist einfach auch das Killer-Feature von WhatsApp. Ja, es gibt Alternativen, aber dort muss ich Kontakte persönlich hinzufügen – wie Old School.

Der nächste große Vorteil: WhatsApp gibt es für fast jedes Gerät. Ihr habt nen Toaster mit Display und WLAN? Die Chance steht gut, dass ihr darauf WhatsApp installieren könnt. Das ist der große Unterschied, den die Konkurrenz scheinbar nicht kapiert: Nur Android und iOS reicht nicht. Klar, beide Systeme haben einen großen Marktanteil, aber was ist, wenn mein Kontakt einen Blackberry oder ein Windows Phone hat? Auch wenn Möchtergernalleswisser diese Systeme gerne tot schreiben, es gibt sie und vor allem Windows Phone sichert sich dank den Nokia Lumias ordentliche Marktanteile. Anders gesagt: Warum soll ich von einem Messenger, mit dem ich alle meine Kontakte erreiche, auf einen Messenger wechseln, mit dem ich nur einen Bruchteil erreiche.

Als die großen Alternativen werden wohl Threema (Android und iOS), oder so Dinge wie ChatSecure (Android, iPhone, Mac, Linux, PC) angepriesen werden. Das Problem: Das sind gute Dienste, keine Frage (vor allem ChatSecure lege ich jedem ans Herz, die Guardian Foundation macht einen echt guten Job). Aber sie kommen nunmal nicht an die Gemütlichkeit ran, die WhatsApp bietet. Leider.

Was will Facebook mit WhatsApp?

Der Kauf ist für Facebook ein konsequenter Schritt. Bei den hippen Kids (14 bis 22) spielt das Netzwerk kaum noch eine Rolle. Ich habe ein paar Mitglieder dieser Fokusgruppe (sprich: Freunde meiner Geschwister) befragt und das Ergebnis ist ziemlich klar: Kaum einer nutzt Facebook, wenn dann vielleicht im Studium um sich in Gruppen zu koordinieren. Um mit anderen in Kontakt zu bleiben, setzen sie auf Telefonate, persönliche Treffen – und WhatsApp-Gruppen.

Sprich, Facebook ist auf dem besten Weg, das neue StudiVZ zu werden. Und WhatsApp ist das Werkzeug der Wahl für diese Zielgruppe. Der Kauf liegt also nahe (und wahrscheinlich waren auch Google und Microsoft irgendwie interessiert….)

Ich hab die Fokusgruppe befragt, ob ihnen der Kauf irgendetwas ausmacht. Bislang keine Antwort, aber ich möchte wetten, dass es ein „Nö, warum?“ wird.

PS: Und wenn ihr irgendwo einen Analysten zitiert seht – hier ist die Erklärung, warum er dort steht:

Credits:

Beitragsbild: WhatsApp

Updates:

Video von dem DLD-Talk des WhatsApp CEOs eingefügt. Damals meinte er noch, dass er vor allem die Bedürfnisse der User im Blick hat. Na dann.

Über Moritz Jäger

Ich bin freier Journalist aus München und schreibe unter anderem für den TecChannel, ComputerWoche, GameStar, PC-Welt, CIO, ZDNet oder Security-Insider. Dieses Blog ist privat, hier geht es vor allem um Themen rund um IT, Geek-Kultur oder Comics. Außerdem probiere ich hier immer wieder neue Möglichkeiten aus, es kann also sein, dass ein paar Dinge nicht so hipp/schön/ausgereift sind – aber dafür sind Blogs ja da.

2 Kommentare

  1. Nun, ich wollt ja schon länger auf nen anderen Dienst wechseln. Threema wäre da meine Wahl. Aber es hat wenig Sinn das als einziger in seiner Kontaktblase zu tun. Dieser Deal mit Facebook, könnte der Grund sein um ein paar meiner Kumpels von Whatsapp wegzubringen.

    Panik hab ich jetzt aber keine, Whatsapp liest ja eh schon alles was ich schreibe wird wohl kaum schlimmer werden jetzt.

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