ChatSecure Teaser

Ihr müsst WhatsApp nicht rauswerfen – aber probiert parallel Alternativen aus

Wie im letzten Beitrag angekündigt, das Web quillt inzwischen über vor Tipps, was man sonst noch so alles nutzen kann. Ich bin kein Fan davon, Nutzern sofort von etwas abzuraten und sie dazu zu bringen ab jetzt bitte gefälligst nur noch App XY zu nehmen. Meine Antwort auf die ganzen Tipps? Nutzt verschiedene Systeme parallel.

Jetzt kommt wahrscheinlich die Frage: „Was sollen wir nehmen? Threema?“ Tatsächlich hat der Schweizer Instant Messenger offensichtlich die besten Karten, kaum ein Artikel kommt ohne Hinweis auf ihn aus. Ich persönlich bin kein besonderer Fan des Systems. Das liegt gar nicht mal an deren Closed-Source-Anspruch (Hey, ich werde den Quelltext sicher nicht persönlich durchgehen), sondern eher daran, dass sie die Nutzer in ihrem Dienst „einsperren“. Sprich  nur wer bei Threema angemeldet ist, der kann auch mitchatten. Alle anderen bleiben draußen.

Stellt euch einfach mal vor, dass man damals bei der E-Mail nur die Kommunikation innerhalb bestimmte Netzwerke erlaubt hätte –niemals wäre es ein solcher Erfolg geworden. Aber ich kann problemlos von Google zu Web zur Telekom zu Microsoft zu eigenen Servern mailen. Wäre es nicht cool, wenn man auch sicher chatten könnte, ohne dass man einen neuen Account bei einem neuen Anbieter bräuchte?

Und tatsächlich, so etwas gibt es: Off The Record, oder OTR. Es handelt sich dabei um ein ganzes Protokoll, das nur ein Ziel hat: Kommunikation einfach zu verschlüsseln. Damit könnt ihr dann bereits bestehende Kommunikationsnetzwerke nutzen. Unterstützt werden etwa der Facebook-Chat, Google Talk und andere Netzwerke – alles auf Jabber-Basis geht sowieso.

Für Android, iPhone (und sogar Blackberrys mit BBOS 10.2.1, allerdings geht dann kein Google Talk) gibt es mit ChatSecure eine passende, kostenlose Applikation, mit der man dieses System problemlos ausprobieren kann.

Einziger Vorteil von Threema gegenüber ChatSecure: Die bequemeren Gruppenchats. Theoretisch sind die zwar in Jabber problemlos möglich, es fehlt aber an der Implementierung bei populären Systemen wie Facebook.

Mein Tipp? Ausprobieren

Niemand hält euch davon ab, unterschiedliche Systeme auszuprobieren. Mein Tipp (und auch ein bisschen mein Wunsch) wäre es aber, dass sich ein System durchsetzt, dass zumindest Schnittstellen zu anderen Anwendungen mitbringt. Das hat außerdem den Vorteil, dass man nicht von einem Hersteller abhängig ist. Threema beispielsweise finanziert sich aktuell durch die Kosten für die App. Ich bin mir nicht sicher, ob 1,60 Euro pro User reichen, um die notwendigen Server und das Personal langfristig in Lohn und Brot zu halten.

Einen Jabber-Server kann dagegen jeder mittlere IT-Nerd aufsetzen (und so einen kennt ihr sicher auch). Und dank der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von ChatSecure ist es völlig egal, welchen Dienst ihr nutzt – die Chats können nur ihr und euer gegenüber entschlüsseln.

Anhang: Die Facebook Jabber Einstellungen

Facebook liefert euch ein fertiges Jabber-System, das ihr sofort in den Client eurer Wahl einbinden könnt. Die relevanten Daten sind hier einsehbar, bei einem Klick auf „Other“ zeigt euch Facebook auch euren Nutzernamen:

Protocol: XMPP or Jabber
Username: Euer FB Nutzername (etwa in der URL ersichtlich)
Domain: chat.facebook.com
Jabber ID: UserID@chat.facebook.com
Password: <your Facebook password>
Enter the following server info, as requested:
Port: 5222
Server: chat.facebook.com
Use SSL/TLS: yes
Allow Plaintext Authentication: no
Credits

Teaserbild: GuardianProjekt

Über Moritz Jäger

Ich bin freier Journalist aus München und schreibe unter anderem für den TecChannel, ComputerWoche, GameStar, PC-Welt, CIO, ZDNet oder Security-Insider. Dieses Blog ist privat, hier geht es vor allem um Themen rund um IT, Geek-Kultur oder Comics. Außerdem probiere ich hier immer wieder neue Möglichkeiten aus, es kann also sein, dass ein paar Dinge nicht so hipp/schön/ausgereift sind – aber dafür sind Blogs ja da.

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