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Shadowrun: Edition 5 im Spieltest

So, Zeit für ein Geständnis: Nicht nur habe ich mit meinen Freunden so von 13 bis 16 „Das Schwarze Auge“ als Pen and Paper gespielt, nein, wir haben auch 15 Jahre später immer noch eine DSA-Gruppe, die aktuell die „Die Phileasson-Saga“ spielt. Dazu kommt eine neue, reine virtuelle Gruppe, die, Roll20.net sei Dank, gerade frisch in Shadowrun, Edition 5 eingestiegen ist.

Ich mochte die Cyberpunk-Atmosphäre von Shadowrun schon immer. Wer Shadowrun nicht kennt: Das Setting spielt mittlerweile in 2075 auf der Erde, 2012 ist mit dem Enden der Maya-Zeitrechnung die Magie zurückgekehrt, was gleich auch noch das Erwachen von Drachen sowie die Goblinisierung einläutete. Letztere sorgte dafür, dass neben dem normalen Menschen auch Orks, Zwerge, Elfen und Trolle geboren wurden. Die Macht liegt in der Hand von Megakonzernen, die Spieler verdingen sich als die namensgebenden „Shadowrunner“, die meist illegale Aktionen gegen einen Konzern im Auftrag eines Konkurrenten durchführen. Mehr Infos hat die Wikipedia.

Ich hatte die dritte Edition mit etwa 15 Quellenbüchern, die wir allerdings nie gespielt haben – zu komplex, zu versessen auf klassisches Fantasy, keine Zeit und überhaupt sind P&P-Rollenspieler gerne mal etwas, hm, eigen. Trotzdem war Shadowrun klasse, ich habe etwa Shadowrun Returns direkt blind gekauft und gleich noch Shadowrun Online bei Kickstarter gebackt.

Das mehr als 480 Seiten starke Grundregelwerk zu Shadowrun, 5 Edition.
Das mehr als 480 Seiten starke Grundregelwerk zu Shadowrun, 5 Edition. (Quelle: Pegasus Spiele)

Entsprechend habe ich mich ziemlich über die 5te Edition der deutschen Regeln gefreut, die als knapp 480-Seitiger Hardcover daherkommen und dennoch nur 19,95 Euro kostet. In Version 4 und 5 hat Catalyst Game Labs und der deutsche Publisher Pegasus Games die Regeln ordentlich überarbeitet und viel schlanker und schneller gemacht. Allein für die Kampfregeln der 3rd Edition waren ja schon ein mittleres Mathe-Studium notwendig (sich sag nur: Pro X Erfolgen steigt das Schadensniveau der Waffe an und springt dann in neue Kategorien…). Jetzt gibt es wahlweise körperlichen oder geistigen Schaden, die Zahl davor gibt nur noch die Höhe des Schadens an.

Und die Würfeltests allgemein wurden deutlich spielbarer: Gewürfelt wird immer mit so vielen W6-Würfeln, wie das jeweils zu testende Attribut + Fertigkeit erlaubt. Als Erfolg zählen alle Würfel, die 5 oder 6 zeigen. Und wie viele Erfolge der Spieler braucht, legt der Meister zuvor fest (einfach sind etwa 2 Erfolge, fordernd 4 usw). Kein ewiges Herumrechnen, ob die jeweiligen Würfel auch die passende Anzahl und Höhe erreicht haben, sondern man sieht mit einem Blick wie viele Erfolge es gibt. Das zieht sich durch das gesamte, fette Buch. Tatsächlich braucht man zu Beginn eigentlich nicht mehr als das Grundregelwerk, damit kann man schon coole Charaktere entwickeln und erhält Ideen und Anreize für zahlreiche Runs und Abenteuer. Wie immer bei Shadowrun muss der Meister schon etwas mitdenken, machbar ist es aber auf alle Fälle.

Was mir auch gut gefällt: Alle Bücher der 4ten Edition, egal ob Quellenband oder Abenteuer, lassen sich mit minimalem Aufwand anpassen. Bei der 3rd Edition muss man etwas mehr basteln, aber das ist durchaus machbar. Die Quellenbücher lassen sich als Schnäppchen gut über eBay ersteigern, meine Sammlung nimmt schon wieder Formen an (aktuell habe ich Emergenz, Geisterkartelle, Blut und Spiele (ein Abenteuer/Quellenband über Stadtkrieg, sehr cool) und München Noir). Kein Buch hat mehr als 15 Euro gekostet.

Noch besser für uns als angehende Spieler: Catalyst bietet mit den Missions eine fortlaufende Kampagne an, jeder einzelne Teil lässt sich in ein paar Stunden spielen. Es gibt insgesamt 4 Staffeln, Season 1 und 2 sind kostenlos, müssen allerdings an Edition 5 angepasst werden. Ich habe sie genutzt, um meine Gruppe an die verschiedenen Konzepte heranzuführen. In Demolition Run ging es darum, ein Labor zu sprengen (Regeln zu Kampf im Vordergrund), in Dark and Stormy Night lernten Meister und Spieler, wie man mit Magie umgeht und in Forced Recon hab ich die Bande Informationen finden lassen. Das alles lief dann in Double Cross ganz gut zusammen. Inzwischen sind wir in Lagos angekommen, weil die Bande hier mitlesen kann, schreibe ich nicht, wie es weitergeht…

So sieht's aus: Das Team hat aufgeräumt, so ziemlich alles umgelegt und das Labor gesprengt. Roll20 ist toll.
So sieht’s aus: Das Team hat aufgeräumt, so ziemlich alles umgelegt und das Labor gesprengt. Roll20 ist toll.

Was ich etwas schade finde: Pegasus Games, der deutscher Publisher für Shadowrun, schwächelt beim Thema zusätzliche Spielehilfen etwas. Zum Beispiel gibt es noch immer keinen ausfüllbaren PDF-Charakterbogen. Es gibt zwar einen, der ist aber von Hand auszufüllen, was ziemlich blöd ist. Auch gibt es keine wirklichen Spielleiterhilfen, etwa NPC-Bögen oder Übersichtsschirme. Ich hab mir etwas beholfen und selbst zwei Excel-Sheets für Spielleiter gebaut: Hier ist der NPC-Bogen (selbstausfüllend und auf eine Querseite angelegt) und hier ist die Spielerübersicht für den Meister (mit den wichtigsten Infos zu den Spielern oder zu wichtigen NPCs). Beide könnt ihr über „Datei“ direkt bei euch speichern und hernehmen. Aber hier würde ich mir etwas mehr offizielle Unterlagen wünschen.

Alles in allem macht Shadowrun in der 5ten Edition eine Menge Spaß. Die Unart, dass man erst 10 verschiedene Quellenbücher braucht, haben sie endlich abgelegt und es gibt wieder die kostenlosen Schnellstartregeln mit einem fertigen Abenteuer. Für 19,95 Euro macht ihr da gar nichts verkehrt, wenn ihr mit euren Spielern das Cyberpunk-Setting ausprobieren wollt.

Für Tipps und Fragen rund um Shadowrun empfehle ich euch übrigens das entsprechende Sub-Reddit oder das deutsche SR5 Pegasus-Forum. Sehr nette Leute da. Und ich bin dort auch unterwegs.

Über Moritz Jäger

Ich bin freier Journalist aus München und schreibe unter anderem für den TecChannel, ComputerWoche, GameStar, PC-Welt, CIO, ZDNet oder Security-Insider. Dieses Blog ist privat, hier geht es vor allem um Themen rund um IT, Geek-Kultur oder Comics. Außerdem probiere ich hier immer wieder neue Möglichkeiten aus, es kann also sein, dass ein paar Dinge nicht so hipp/schön/ausgereift sind – aber dafür sind Blogs ja da.

Ein Kommentar

  1. Nice one, Mr. GM!

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