Free hugs datenschutz

Datenkraken schnappen gerne nach Neugeborenen

Ja, die Überschrift ist etwas pathetisch. Aber da es ja aktuell vor allem en vouge ist, auf Google rumzuhacken finde ich, dass man auch mal ganz andere Aspekte des Datenschutzes beleuchten kann. Und zwar anhand meines neu geborenen Kindes. Tatsächlich sind wir gerade aus dem Krankenhaus gekommen – mit ein Grund, warum ich hier länger nichts geschrieben habe.

Aber zurück zum Thema: Was mir nach der Geburt auffiel ist, dass sich sofort die Datensammler auf die Kleinen stürzen. Und das meine ich fast wörtlich. Unsere Kinderstation war exklusiv von Pampers ausgestattet, wie es aussah, und allen Eltern wurden Windeln und feuchte Tücher in praktischen Probierboxen (mit einem Satz Tücher und ein paar Windeln). Ansonsten waren eine ganze Menge anderer Infomaterialien drin, ein furchtbares „Pampers Magazin“ und dann das Versprechen eines kostenlosen Shirts.

Pampers Shirt
Für ein einfaches Shirt will euch Pampers die Daten eurer Kinder abnehmen.

Das Shirt ist ziemlich hässlich, wie ich finde (wen interessiert, wo das Kind geboren ist?). Noch durchtriebener ist allerdings, was man dafür machen muss: Pampers hätte gerne einen ganzen Satz Angaben zum Kind. Dazu gehören Namen der Eltern, die Adresse, E-Mail, Telefonnummer und private Daten. Hm, und dann? Nun, Pampers behält es sich vor, diese Daten global mit anderen Procter & Gamble Marken (die Mutter von Pampers) zu teilen. Klingt noch nicht so schlimm, oder? Na dann sehen wir uns mal an, was P&G sonst so alles hat – eine kleine Auswahl: Always, Alldays, Ariel, Blend-a-Dent, Blendax, Braun, Charmin, Gilette, Head & Shoulders, Oil of Olaz, Wella, Wick usw usf. Dazu kommen massig Parfüme (u.a. Avril Lavigne, Dolce & Gabana oder Mexx). Sprich, wer das Datenblatt ausfüllt, um ein paar Gutscheine und ein hässliches Shirt zu bekommen, der gibt die Daten seines Kindes in die P&G-Datenbank und die können den Nachwuchs dann schön passend zu jedem Lebensjahr neu mit Marketing zumüllen. Danke, nein.

Pampers Datensammlung
Achso, „nur“ mit Procter und Gamble weltweit wollen sie die Daten teilen. Na dann…

Fall Nummer 2 (und da habe ich leider vergessen, ein Bild zu machen) ist die Option, die Geburtsdaten der Stadt München zur Verfügung zu stellen. Die hängt die Daten zum Kind nicht nur öffentlich aus, sondern packt sie gleich noch online. Schön, dass sie den Hinweis dazuschrieben, dass das dann jeder abschreiben kann (Werbetreibende werden da explizit erwähnt) und dass es für die Eltern keinen Nachteil gibt, wenn sie die Daten nicht veröffentlichen wollen.

Mein Tipp: Streicht die Seite großzügig durch und gebt weder Pampers, noch der Stadt München, noch den diversen Babyclubs (Rossmann, DM oder Müller, alle bieten so etwas an) die Daten eures Kindes. Oder, wenn ihr die Vorteile haben wollt, dann verändert die Daten etwas. Und achtet genau darauf, wo und mit wem die Daten geteilt werden.

Ja, klar das kann man jetzt alles als überzogen betrachten. Aber die Kids werden eh mit genügend mit dem Thema Privatsphäre, Marketing, Tracking und Co überzogen. Da solltet ihr ihnen etwas Platz lassen – und Freiraum schaffen.

Bildquelle:

Alle Bilder sind selbst geschossen, der Aufmacher ist von der Comic Con 2012 und passt einfach gut. 

Über Moritz Jäger

Ich bin freier Journalist aus München und schreibe unter anderem für den TecChannel, ComputerWoche, GameStar, PC-Welt, CIO, ZDNet oder Security-Insider. Dieses Blog ist privat, hier geht es vor allem um Themen rund um IT, Geek-Kultur oder Comics. Außerdem probiere ich hier immer wieder neue Möglichkeiten aus, es kann also sein, dass ein paar Dinge nicht so hipp/schön/ausgereift sind – aber dafür sind Blogs ja da.

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