Update mit Paypal-Antwort – Protonmail: Paypal ist toll für Einkäufe aber beschissen für Kampagnen, die die Welt verändern wollen

Protonmail ist ein Dienst, der in der Schweiz angesiedelt ist und Nutzern verschlüsselte Webmails bieten möchte. Unter wirbt der Dienst mit „NSA-sicher“ und einfach zu nutzender Verschlüsselung. Der Dienst ist nett zu nutzen, auch wenn die Nutzung von JavaScript zur E-Mail-Verschlüsselung ein paar Augenbrauen hochgehen lässt (und bei hochgehen meine ich „durch die Decke“). (Update am Ende des Artikels)

Ich bin bereits in der Beta reingekommen und finde Protonmail als Web-Dienst nicht schlecht. Einfach zu nutzen, simpel im Aufbau, ihr müsst euch „nur“ zwei Zugangsdaten merken – euer Login und die Passphrase um die Inbox zu entschlüsseln. Die Macher wurden allerdings von den Anmeldungen überrascht und haben sich entschlossen, eine IndieGogo-Kampagne zu starten, um den weiteren Ausbau zu finanzieren.

Das Problem: Die Kampagne ist enorm erfolgreich und bei sowas geht garantiert was schief. Und tatsächlich, PayPal hatte die bislang gesammelten Spenden eingefroren. Das ist Scheiße und passiert nicht zum ersten Mal auch wenn der Konzern eigentlich Abhilfe versprochen hat.

Man könnte jetzt meinen, dass dies zufällig passiert ist, dass ein Algorithmus zugeschlagen hat – und das scheint tatsächlich der Fall gewesen zu sein (Update siehe Ende der Seite).

Allerdings macht mich da eine Aussage im Blog von Protonmail etwas stutzig:

When we pressed the PayPal representative on the phone for further details, he questioned whether ProtonMail is legal and if we have government approval to encrypt emails.

Ganz ehrich? Sollte das stimmen, versucht Paypal (wie bei Wikileaks) in vorauseilendem Gehorsam, einen recht innovativen Dienst auszuschalten? Ich kann es nicht glauben und habe Hoffnung, dass das nur ein übereifriger Angestellter ohne Hirn war, der die Sperre veranlasst hat.

Denn eigentlich mag ich Paypal, ich nutze es aktiv, auch, um meine Kontodaten zusätzlich zu schützen (mein Paypal-Account ist mit dem Zwei-Faktor-Token ausgerüstet, so leicht kommt da hoffentlich keiner rein). Ich traue tatsächlich eher Paypal als den meisten Shop-Anbietern, wenn es um den Schutz meines Geldes geht. Aber für Kampagnen gibt es einfach keine Garantie, dass die Kohle auch da ankommt, wo das Geld hinsoll (abgesehen von einem öffentlichen Aufschrei).

Das Problem: Es gibt auch keine Alternative. Kreditkarten lassen sich ebenso leicht blocken, vor allem, da die ausgebenden Institute in den USA sitzen (das ist kein USA-Bashing, sondern tatsächlich bei Wikileaks passiert).

Alle anderen Zahlungsmethoden sind schwierig: Crowdfunding basiert darauf, dass das Geld erst übertragen wird, wenn die Kampagne erfolgreich bzw abgeschlossen ist. Sprich Bitcoins (an sich für die meisten Leute schon schwer genug zu kriegen) eignen sich nicht wirklich, da sie weg sind, wenn sie einmal übertragen wurden. Alles andere, Sofortüberweisung usw, passt auch nicht wirklich. Ja, das ist alles blöd, aber in nächster Zeit sehe ich da keine große Möglichkeit, dass wir hier ein besseres System bekommen (ha, wir könnten es ja Crowdfunden, haha).

Und ProtonMail?

Ich finde, ihr solltet es ausprobieren und vielleicht unterstützen. Für mich ist es das interessanteste Projekt, abgesehen von MailPile (bei dem ich auch ein Backer bin), vor allem wenn man sich an das Thema Verschlüsselung langsam herantasten will.

Mein Problem: Innerhalb von ProtonMail klappt das gut, wenn die Mails rausgehen, dann gibt es Probleme. Externe Mails lassen sich zwar mit einem Passwort versehen, ich hätte aber gerne, dass etwa PGP-Verschlüsselungssysteme unterstützt wären.

Update:

Gerade hat mich die die Stellungnahme der deutschen PayPal-Pressestelle erreicht:

Sie haben heute über PayPal und ProtonMail berichtet. Wir möchten Sie auf diesem Weg darüber informieren, dass die Einschränkung des Kontos inzwischen aufgehoben wurde:
PayPal hat Änderungen eingeführt, um Probleme bei der Einschränkung von einigen PayPal-Konten zu lösen, die Crowdfunding-Seiten für die Unterstützung ihrer Ideen nutzen. Als Antwort auf diese Probleme haben wir nun speziell für die Unterstützung von Crowdfunding-Kampagnen einen strafferen Prozess eingeführt. Dieser Prozess umfasst, dass PayPal die Initiatoren einer Kampagne früh mit einbezieht, um deren Kampagnen-Ziele besser zu verstehen und ihnen dabei zu helfen, dass ihre Kampagne im Einklang mit unseren Richtlinien sowie geltenden rechtlichen Bestimmungen ist. 
 
Im Fall von ProtonMail hat ein technisches Problem dazu geführt, dass das PayPal-Konto eingeschränkt wurde. Wir haben uns heute mit ProtonMail in Verbindung gesetzt, um dies zu lösen. Wir können bestätigen, dass ProtonMail wieder in der Lage ist, Zahlungen über PayPal zu senden und zu empfangen. Wir entschuldigen uns für die dadurch entstandenen Unannehmlichkeiten.

Also, wir können die Aluhüte wieder einpacken. Wobei, dieses Telefonat und die Frage des Paypal-Angestellten macht mich etwas unsicher, trotz allem.

 

Über Moritz Jäger

Ich bin freier Journalist aus München und schreibe unter anderem für den TecChannel, ComputerWoche, GameStar, PC-Welt, CIO, ZDNet oder Security-Insider. Dieses Blog ist privat, hier geht es vor allem um Themen rund um IT, Geek-Kultur oder Comics. Außerdem probiere ich hier immer wieder neue Möglichkeiten aus, es kann also sein, dass ein paar Dinge nicht so hipp/schön/ausgereift sind – aber dafür sind Blogs ja da.

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