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Warum ich nicht an Firefox Do Not Track Header glaube

Die aktuelle Vorabversion von Firefox (4 Beta 11) bringt erstmals das Do not Track Feature mit. Dieses soll verhindern, dass Anbieter den Nutzer über mehrere Seiten verfolgen und so ein Profil erstellen. Das soll so ablaufen: Sobald der Nutzer die Do not Track Option aktiviert, erhält der Betreiber der Seite die entsprechende Information. Diese gibt er an etwaige Ad-Netzwerke weiter, die dem Nutzer dann nur Werbung anzeigen, die nicht über  Tracking-Funktionen verfügt.

Mozilla Do not Track Header (Quelle: Mozilla)
Mozilla Do not Track Header (Quelle: Mozilla)

Das klingt in der Theorie alles wunderbar. Mich stört dabei allerdings eines: Warum sollte ein Seitenbetreiber dies tun? Was bringt es ihm – außer möglichen Umsatzeinbußen? Zudem muss eine weitere Kommunikation zwischen dem Seitenbetreiber und dem Anbieter der Werbung eingerichtet werden. Das ganze System setzt auf einen Ehrenkodex, von dem ich mir nicht sicher bin, ob er überhaupt vorhanden ist.

Ein weiteres Problem: Wie erfährt der Nutzer, ob seine Maßnahme eine Wirkung zeigt? Klar, man kann die Funktion aktivieren, aber wenn der Betreiber dies ignoriert, was dann? Ist die Seite dann rot? Ähnlich wie bei einem fehlerhaften HTTPS-Zertifikat? Und wie viele Nutzer würden das einfach ignorieren?

Im Download-Blog mutmaßen sie, dass die amerikanische FCC möglicherweise entsprechender Regeln erlässt – ob das allerdings schnell genug erledigt wird und ob die Vorgaben auch entsprechend umgesetzt werden, ist allerdings fraglich.

So gerne ich Mozilla und Firefox mag, dem Do Not Track Header gebe ich nicht wirklich eine Chance. Ich bin aktuell der Meinung, dass Microsoft mit dem Tracking Protection System deutlich besser liegt – weil hier der Nutzer selbst entscheiden kann, welche Dienste er zulässt und welche nicht.

Über den Autor

Moritz Jaeger

Mo steht für Moritz Jaeger. Ich bin freier Journalist aus München und schreibe unter anderem für den TecChannel, ComputerWoche, GameStar, PC-Welt, CIO, ZDNet oder Security-Insider. Dieses Blog ist privat, hier geht es vor allem um Themen rund um IT, Geek-Kultur oder Comics. Außerdem probiere ich hier immer wieder neue Möglichkeiten aus, es kann also sein, dass ein paar Dinge nicht so hipp/schön/ausgereift sind – aber dafür sind Blogs ja da.

3 Kommentare

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  • […] und Kosmetik – so sind zum Beispiel die Einstellmöglichkeiten für die zweifelhafte “Do not track”-Funktion jetzt besser zugänglich gemacht. Was sich sonst alles geändert hat, kann in den Release Notes […]

  • > Sobald der Nutzer die Do not Track Option aktiviert, erhält der
    Betreiber der Seite
    > die entsprechende Information. Diese gibt er an
    etwaige Ad-Netzwerke weiter […]

    Das ist nicht ganz richtig. Der Betreiber der Seite gibt keine Do-Not-Track-Information an das Ad-Netzwerk weiter. Das muss er auch nicht, denn das Ad-Netzwerk erhält den Do-Not-Track-Header direkt vom Browser des Nutzers.

    Das ändert natürlich nichts daran, dass das Tracking immer noch vom guten Willen des Advertisers abhängt und die ganze Sache damit eigentlich sinnlos ist.

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