Comic-Kritik: Chew

Mein Dad hat mir von seinem Trip auf die CES ein neues zwei Alben eines neuen Comics mitgebracht: Chew.

Chew spielt in einem alternativen Amerika, etwa Ende der „Nuller“ Jahre (ich mag den Ausdruck ja nicht, es mangelt mir allerdings an einer Alternative. Hrmpf). Das Setting ist folgendes: Nachdem eine Vogelgrippen-Epidemie 23 Millionen US-Bürger ausgelöscht hat, weltweit starben sogar über 160 Millionen Menschen, greifen die Behörden durch. Die Folge: Die USA (und einzelne Verbündete) verbieten den Verkauf von Geflügel – und die Food and Drug Administration (F.D.A.) steigt zur mächtigsten Strafverfolgungsbehörde auf. Ihre Aufgabe: den Schwarzmarkt austrocknen, der seit dem Start der Prohibition die Bürger mit illegalem Geflügel versorgen.

Chew-Gruppenbild (Quelle: chewcomic.blogspot.com)
Chew-Gruppenbild (Quelle: chewcomic.blogspot.com)

Der Hauptcharakter ist Antony „Tony“ Chu. Tony ist ein so genannter Ciopath. Das bedeutet: Sobald er in ein Lebensmittel beißt, erfährt er, wie dieses entstanden ist und was es durchgemacht hat. Bei Obst sieht er etwa, welche Pestizide genutzt wurden, wann es geerntet wurde, welcher Dünger verwendet wurde. Ist er Fleisch, nun ja, so sieht er alles andere. Die einzige Ausnahme sind rote Beete. Tonys Fähigkeit macht ihn zu einem außergewöhnlichen Mordermittler – solange es ihm nichts ausmacht, an dem Kadaver zu knappern.

Beim ersten Band ist Tony zusammen mit seinem Partner John Colby allerdings noch kein Agent der allmächtigen F.D.A., sondern ein simpler Vice Cop (in etwa Zivilcops, die sich vor allem um Drogen – oder Hühnchen-, Prostitution oder Spielerei kümmern.) Während der Überwachung des Pushers D-Bear treffen sie auf den etwas undurchsichtigen FDA-Agenten Mason Savoy – der ihnen jede weitere Überwachung von D-Bear untersagt, da er ein Informant sei. Als Ausgleich gibt er ihnen ein Passwort, mit dem sie sich – natürlich höchst inoffiziell – den Bauch in einem illegalen Chicken-Restaurant vollschlagen können. Das Problem: Als Tony seine Suppe kostet, schlägt seine Gabe an –und erfährt so, dass der Küchenchef ein Serienkiller ist. Während der Festnahme erhält Colby ein Fleischerbeil in den Kopf, Tony allerdings stellt den Killer. Natürlich geht die Festnahme schief, der Verdächtige bringt sich selbst um. Mason, selbst ein Ciopath, rekrutiert Tony für die F.D.A. und nimmt ihn unter seine Fittiche. Jetzt geht Chew eigentlich erst richtig los.

Ich bin inzwischen durch die ersten drei Bände durch – und es wird immer abgefahrener. Tony trifft auf „Den Vampier“ und gerät mit einer Agentin des DA (Department of Agriculture aneinander). Zudem lernt er die Journalistin Amelia Mintz kennen. Sie besitzt ebenfalls eine Gabe, sie ist ein Saboscrivner. Das bedeutet, sie kann Essen so beschreiben, dass der Leser das Gefühl hat, er würde die jeweilige Mahlzeit selbst verspeisen – und Tony kann Essen genießen, ohne die sonstigen Nebenwirkungen zu erleiden. Dazu kommen Pro-Geflügel-Fanatiker, Russische Killer, Früchte aus dem All und ein Meisterkoch.

Chew ist meiner Meinung nach ein absoluter Geheimtipp. Die Story ist intelligent, die Zeichnungen erinnern eher an den Stil der französischen Comics (etwa Corto Maltese) als an den üblichen Stil sonstiger Ami-Comics. Die Geschichten sind witzig erzählt und spielen in einem überraschend frischen Setting. Ich muss allerdings zugeben, dass ich (und mein Dad und mein Bruder) Chew im Orignal lesen – ich hab also keine Ahnung, wie gut oder schlecht die Übersetzung ist. Allerdings lässt allein der Untertitel (Bulle mit Biss) grausames erahnen. Die englischen Bände 1-3 kosten bei Amazon zwischen 7,30 Euro und 9,50 Euro. Die ersten beiden Bände sind zudem in der Omnivore Edition für 23,95 Euro zu kriegen.

Über Moritz Jaeger

Mo steht für Moritz Jaeger. Ich bin freier Journalist aus München und schreibe unter anderem für den TecChannel, ComputerWoche, GameStar, PC-Welt, CIO, ZDNet oder Security-Insider. Dieses Blog ist privat, hier geht es vor allem um Themen rund um IT, Geek-Kultur oder Comics. Außerdem probiere ich hier immer wieder neue Möglichkeiten aus, es kann also sein, dass ein paar Dinge nicht so hipp/schön/ausgereift sind – aber dafür sind Blogs ja da.

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