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Batman: The Dark Knight Rises – Kinokritik

Ich hab nun endlich auch den letzten Nolan-Batman gesehen – und fande ihn gar nicht sooo schlecht. Das lag aber vor allem daran, dass ich mit sehr geringen Erwartungen rangegangen bin. Zunächst einmal: Wer die Bane-Geschichten (vor allem den Story-Arc Knighfall) kennt, der weiß, dass Bane ein komplexer Zeitgenosse ist. Dazu kommt, dass er alles andere als ein populärer Bösewicht ist, anders als etwa der Penguin, Joker, Riddler oder Two-Face muss er den meisten Zuschauern erst einmal schmackhaft gemacht werden.

Achtung: Ab hier wird gespoilert

Schon bei der Origin-Geschichte setzt sich der Nolan-Bane vom  Comic-Bane ab: Er wurde wie Bruce Wayne von der League of Shadows (die Bösewichte aus dem ersten Teil) trainiert, war allerdings früher der Beschütze von Thalia, der Tochter von Rhas Al Ghul (die im Comic nicht nur die Dauergeliebte von Bruce Wayne sondern auch die Mutter von Bruce’s Sohn Damian ist…). Bane will Gotham vernichten (um Rhas Plan aus Teil 1 zu vervollständigen) und muss dazu erst einmal Batman loswerden. Warum die Maske aber so gar nicht erklärt , bzw nur irgendwie umschrieben wird, das ist mir nicht klar. Nolan hätte die Steroid-ähnliche Superdroge Venom durchaus einbauen können. Etwa, dass Bane sie von Rhas al Ghul bekam oder so.

Soweit, so gut. Allerdings: Nolan packt extrem viel in den Film rein. Allein der achtjährige Abstand zu Teil 2 (The Dark Knight) zu Beginn. Dieser soll wohl zeigen, wie zerrüttet Bruce Wayne ist, auch nach dem Tod von Rachel und Harvey. Die Fußverletzung tut ihr übriges (warum eigentlich? Am Ende von Teil 2 hüpft er noch munter davon, ich hab ihn mir extra noch einmal angeschaut). Allein das kostet viel Zeit. Catwoman fand ich aber gelungen, Anne Hathaway macht eine gute Figur.

Die „Ich will wieder Batman sein“-Storyline hätte es meiner Meinung auch gar nicht gebraucht. Schließlich darf Bane im Verlauf das Rückrat von Batman brechen (angenehm ohne Slow-Motion und alles, gefiel mir sehr gut) und Bruce landet im Knast, in dem auch Bane war. Hier ist ja die eigentliche „The Dark Knight Rises“ Story. Batman/Bruce Wayne ist gebrochen, und zwar nicht nur körperlich, sondern auch im Geiste. Als er aber sieht, wie Bane mit seinem Gotham umgeht, reißt er sich zusammen, heilt Körper und Geist, bricht aus und macht sich auf den Rückweg. Soweit ist das sehr ok, die Geschichte davor hätte es nicht gebraucht.

Nolan hat meiner Meinung nach viele Elemente aus der „No Mans Land“ Storyline übernommen, um Gotham im Chaos zu zeigen. Das gefällt mir extrem gut, der Story Arc gehört zu einem meiner ganz großen Favoriten. Allerdings wäre es schön gewesen, wenn sich einige andere Bösewichte noch bemerkbar gemacht hätten. Klar, da war Scarecrow, aber was ist zB mit dem Joker? Der wurde am Ende des ersten Teils lebend verhaftet, muss also noch irgendwo herumschwirren. Es wäre nett gewesen, wenn seine Abwesenheit irgendwie erklärt wird. Nolan schwenkt insgesamt aber deutlich von der Comic-Vorlage ab: In Knighfall öffnet er die Zellen von Blackgate und Arkham, um Batman gegen all die Superschurken antreten zu lassen und ihn so zu schwächen. Das wäre im Kinofilm viel zu viel gewesen, zumal Batman im Comic die Unterstützung von Robin (nicht Dick Grayson, Tim Drake) und Azrael.

Apropos Robin: Am Ende stellt sich der Cop „Blake“ (Joseph Gordon-Levitt) als Robin vor. Hier hab ich mich echt an den Kopf gefasst. „Blake“? Es gab keinen Robin, der Blake hieß. Sie hießen Dick Grayson (der spätere Nightwing und Batman-Nachfolger), Jason Todd (der vom Joker ermordet wird), Tim Drake (der spätere Red Robin) und Damian Wayne (Bruce‘ Sohn und meiner Meinung nach einer der besten Robins). Es ist völliger Quatsch, dass Nolan einen zusätzlichen Robin einführt, um sich den Gag bis zum Schluss aufzuheben.

Eine weitere Sache, die mich etwas genervt hat: Batman/Bruce Wayne ist besessen von Detailplanung. Wenn Bruce Wayne also einen Reaktor baut, den Bösewichte in eine Bombe umbauen können, dann wird er nicht nur eine, sondern mehrere Failsafe-Funktionen integrieren. Oder, im Notfall, einen zweiten Reaktor in der Hinterhand haben (in einer der Batcaves, würde ich sagen), in der er die Bombe entschärfen kann. Klar, Nolan brauchte die Explosion für das große Finale, aber wirklich Batman-würdig ist das nicht (was ist eigentlich mit der Strahlung? Müsste Gotham und das umliegende Meer nicht komplett verseucht sein?)

Außerdem scheint es Lucius Fox mit den Sicherheitsvorkehrungen nicht so ernst zu nehmen. Wie sonst kann sich der „verstorbene“ Bruce Wayne in das Computersystem von Wayne Inc einloggen und dort rumpfuschen? Es handelt sich offensichtlich um einen privilegierten Account, der sofort mit dem Tod deaktiviert werden hätte sollen. Anders als Fox hätte jeder ordentliche Admin nicht wissend gelächelt, sondern sich wahrscheinlich neue Unterwäsche suchen müssen, denn Holy Shit, jemand hat mit dem Account des verstorbenen Batman rumgepfuscht.

Alles in allem ist Batman: The Dark Knight Rises ein netter Film, der aber nicht an Teil 2 rankommt. Wer die verschiedenen Charaktere und Storylines kennt, der findet Nolans Interpretation wohl ganz ok. Christian Bale war meiner Meinung nach ein guter Batman, die krächzende Stimme hätte er etwas zurückfahren können. Insgesamt aber eine schöne Trilogie.

Über den Autor

Moritz Jaeger

Mo steht für Moritz Jaeger. Ich bin freier Journalist aus München und schreibe unter anderem für den TecChannel, ComputerWoche, GameStar, PC-Welt, CIO, ZDNet oder Security-Insider. Dieses Blog ist privat, hier geht es vor allem um Themen rund um IT, Geek-Kultur oder Comics. Außerdem probiere ich hier immer wieder neue Möglichkeiten aus, es kann also sein, dass ein paar Dinge nicht so hipp/schön/ausgereift sind – aber dafür sind Blogs ja da.

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