Motorola: Ohne Bloatware gibt’s kein Update auf ICS

Effing Motorola, ohne scheiß. Aber von vorne:

Ich bin seit dem Frühjahr stolzer Besitzer eines Motorola Razr. Ganz ehrlich, das Gerät an sich ist dabei keineswegs schlecht. Dünn, angenehm lange Akkulaufzeit, HDMI, Rückseite mit Kevlar, ordentlich interner Speicher und ein Slot für MicroSD-Karten. Aber der Softwaresupport von Motorola ist so ziemlich das mieseste, was derzeit im Android-Markt unterwegs sein dürfte.

Das fängt bei der Bloatware an. Denn wer, wie ich, sein Razr bei Vodafone kauft, der erhält nicht nur das Handy, sondern gleich noch massig Apps. Vorinstalliert sind: Amazon Kindle, Bild, Evernote, GoToMeeting, Hot Pursuit, QuickOffice und noch ein paar mehr. Übrigens nicht als Vollversion, Hot Pursuit beispielsweise ist nur die Demo. Yeah. Mich nervt aber am meisten die Bild-App. Die ist nicht nur vorinstalliert, sie startet auch gleich mit dem Handy und liefert fröhlich Push-Nachrichten. Und weil es sich bei allen um System-Apps handelt, kann sie der geneigte Nutzer natürlich nicht entfernen, zumindest nicht ohne Root-Zugriff. Den ich mir geholt habe, ist ja kein Zauberwerk. Kurz darauf war das Razr von Bloatware befreit und ich konnte meine eigenen Apps drauftun.

Geht doch. GEHT DOCH!

Ein wenig später. Motorola wollte eigentlich gegen Ende des zweiten Quartals ein Update auf Android 4.0.4, Ice Cream Sandwich liefern. Aus dem Update wurde nichts, also es wurde mehrfach verschoben. Erst hieß es August, dann Ende August, dann September, ganz ernst (wer sehen will, wie man mit so einer Taktik auf Facebook durckommt, sollte die Kommentare auf der Fanseite von Motorola Europe lesen…).

Nun ist dieses Update endlich da und ich (nachdem ich zunächst ein Titanium Root Backup gemacht habe) werfe den Over-the-Air-Updater an. Der lädt sich erst einmal einen Wolf und bietet irgendwann die Installation des Updates an. Das Razr fährt herunter und schaltet in den Update-Modus. Diesen bricht es allerdings nach zwei Drittel ab, bootet neu und erklärt mir, dass das Update fehlgeschlagen ist. Ohne weitere Informationen. Ja vielen Dank. Das schlägt mehrfach fehl, immer ohne Erklärung.

Versuch Nummer Zwei: Der Motorola Device Manager, eine PC-(und Mac-)Software, die auch Updates installieren kann. Gesucht, gefunden, geladen, installiert. Das Geräte-Update zeigt brav eine neue Version an, lädt die herunter, spielt sie auf das Handy und wechselt in den Update-Modus. Diesmal läuft die Installation schon deutlich länger und ich wollte mich schon entspannen – bis sie erneut abbricht. Wieder ohne Erklärung. Einziges Ergebnis: Die Software ist davon überzeugt, dass es kein Update mehr für mein Handy gibt. Danke für nichts, Motorola Device Manager.

Motorola Bad Time

Ein Blick ins Web zeigt: Ich bin nicht der Einzige und scheinbar betrifft es vor allem Nutzer, die diesen vorinstallierten Rotz entfernt haben. Ich acker mich also durch den Thread und suche nach Lösungen (ich hab keine Ahnung was ich da rausgeschmissen hab) und finde am Ende diesen Lösungsansatz von PeeWee:

– Stock Rom flashen, ohne OpenRecovery, über RSDLite. Apps und Einstellungen bleiben dabei voll erhalten, wie ich auf den ersten Blick und nach ein paar Tests feststelle. Alle Bloatware ist nun wieder da.

– evtl. neu rooten, falls gewünscht. Danach mit Rootkeeper für das Update sichern.

– Update durchlaufen lassen, funktioniert jetzt.

– Root mit Rootkeeper wieder herstellen.

Das ist natürlich schon um einiges komplexer. RDSLite ist ein Tool von Motorola, mit dem man zum Gerät passende ROMs flashen kann, solange es sich um Original-Roms von Motorola handelt. Die beste Anleitung mit allen Links (etwa, wo ihr das passende ROM herbekommt, gibt es hier bei den XDA Developers). Das klappt alles recht schmerzfrei, allerdings löscht es mir gleich mal alle gespeicherten Daten (gut, dass ich zuvor ein Titanium-Backup gemacht hab).

Anschließend versuchte ich zuerst das Update per PC (das lädt deutlich schneller), aber keine Chance. Also der langsame Weg per OTA und läuft das alles auch brav durch (kein Wunder, schließlich ist es ein StockROM).

Fazit und TL;DR:

  • Motorola klatscht die ROMs mit massig Software-Müll vor, der für jedes Update wichtig ist -> deswegen lieber umbenennen als löschen.
  • Ohne Bloatware -> kein Update möglich. Info gibt es dazu keine
  • Der Facebook-Support ist, nunja, überfordert.

Mein nächstes Smartphone kommt nicht mehr von Motorola. Ich gehe nicht davon aus, dass es irgendwann in absehbarer Zeit ein Update auf Jelly Bean gibt. Dann doch lieber ein Custom ROM.

BTW: Ich lass mich von so einem Schwachsinn doch nicht aufhalten. Das erste, was ich mit dem Handy mache, ist wieder einen Root-Zugriff herzustellen. Aber diesmal nenne ich die Apps nur um, statt sie ganz zu löschen. Oder ich deaktivere sie erst einmal und schau, ob das reicht.

Root the Moto
Motorola Rooting

Über Moritz Jäger

Ich bin freier Journalist aus München und schreibe unter anderem für den TecChannel, ComputerWoche, GameStar, PC-Welt, CIO, ZDNet oder Security-Insider. Dieses Blog ist privat, hier geht es vor allem um Themen rund um IT, Geek-Kultur oder Comics. Außerdem probiere ich hier immer wieder neue Möglichkeiten aus, es kann also sein, dass ein paar Dinge nicht so hipp/schön/ausgereift sind – aber dafür sind Blogs ja da.

3 Kommentare

  1. oh mein Gott, ich als nichts ahnende Nutzerin habe natürlich gar nichts verstanden. 🙁 und ich hab noch die software 2.3.6 drauf 🙁 es wird immer wieder angezeigt das es keine neuen updates gibts… und jetzt? hilfeeeeeeeeeeeeeeeeeee

    • Hi Tanita, leider kannst du da wenig machen. Von wem ist dein Razr? Für Vodafone und O2 ist wohl das Update schon da, andere müssen noch warten. Ich versteh deine Unzufriedenheit, das ist echt nervig.

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