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Was ist Was: Gin-Sorten und Bezeichnungen im Überblick

Traditional, London Dry, Sloe – Gin ist längst eine Klassifizierung längst nicht mehr nur eine Art, sondern besteht aus unterschiedlichen Sorten. Wir geben einen Überblick.

Mit dem Hype um Gin hat diese Schnapsart einen faszinierenden Aufstieg erlebt. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als Finsbury oder Gordon’s der Standard-Gin war, Bombay Saphire gab es gegen ordentlich Aufpreis. Das hat sich zum Glück geändert, der Gin erlebt seit einigen Jahren einen neuen Boom und es gibt neue Ansätze und interessante Destillate rund um den Schnaps mit Wacholdergeschmack.

Damit kommen aber auch zahlreiche neue Begriffsbezeichnungen auf, bei denen man gerne den Überblick verliert.

Grundlage: Was ist Gin

Die sauberste Definition darüber, was ein Schnaps haben muss, um als Gin zu gelten, liefert die „Verordnung (EG) Nr. 110/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. Januar 2008 zur Begriffsbestimmung, Bezeichnung, Aufmachung und Etikettierung von Spirituosen sowie zum Schutz geografischer Angaben für Spirituosen und zur Aufhebung der Verordnung” – japp, so heißt das Ding wirklich.

Drei Punkte sind wichtig, damit eine Spirituose sich in der EU “Gin” nennen darf:

  1. Gin ist eine Spirituose mit Wacholdergeschmack, die durch Aromatisieren von Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs, der entsprechende sensorische Eigenschaften aufweist, mit Wacholderbeeren (Juniperus communis L.) gewonnen wird.
  2. Der Mindestalkoholgehalt muss 37,5 % vol betragen
  3. Bei der Herstellung von Gin dürfen nur natürliche und/oder naturidentische Aromastoffe gemäß Artikel 1 Absatz 2 Buchstabe b Ziffern i und ii der Richtlinie 88/388/EWG und/oder Aromaextrakte gemäß Artikel 1 Absatz 2 Buchstabe c der genannten Richtlinie verwendet werden, wobei der Walcholdergeschmack vorherrschend bleiben muss.

Übersetzt bedeutet dass, das der Grundalkohol für Gin durch alkoholische Gärung aus angebautem Obst oder Gemüse entstehen muss. Das ist durchaus gut so, vor allem, wenn man sich vor Augen führt, dass andere Alkohol aus Dingen wie Erdöl gewonnen wird – uch. Zudem muss man Wacholder im Gin schmecken können. Und man darf nicht irgendwelche wilden künstlichen Aromen verwenden. Mit ein Grund, warum es noch keinen „Bubblegum“-Gin gibt.

Neben der normalen Bezeichnung Gin gibt es aber noch eine ganze Reihe an zusätzlichen Sorten. Die wichtigsten sind:

London (Dry) Gin

Verglichen mit der normalen Gin-Definition sind die Vorgaben für die geschützte Bezeichnung London Gin oder London Dry Gin deutlich strenger. Die erste große Änderung ist, dass der Methanolgehalt nicht mehr als 5 Gramm pro Hektoliter von 100 % vol Alkohol (g/hl r. A) sein darf. Methanol ist Begleitalkohol oder “Fuselakohol” und gilt als einer der Giftstoffe, die den nächsten Tag so arg unangenehm machen. Die einfache Faustregel: Weniger Fuselakohole – besser bekömmlich – teuer in der Herstellung, da mehr gefiltert werden muss.

Die zweite große Änderung: Aromen für den den London (Dry) Gin müssen während der Destillation zugesetzt werden, sie können nicht danach eingemischt werden. Das bedeutet, dass die Brenner den Geschmack später nicht mehr anpassen dürfen (etwa, indem sie einen Schuss Zitrusaroma reinkippen). Lediglich den Alkoholgehalt dürfen sie durch Mischen mit Wasser herunterbringen, allerdings nicht unter 37,5 % vol.

Was allerdings an Botanicals und Geschmäckern in den Gin darf, darüber gibt es keine Vorgaben (solange die anderen Bestimmungen eingehalten werden). Man kann die Bezeichnung London Dry Gin als so eine Art Reinheitsgebot light verstehen, das vor allem die Qualität des verwendeten Alkohols definiert. Es ist an sich kein Qualitätssiegel, es gibt schlecht schmeckenden London Gin ebenso wie sensationellen „einfachen“ Gin. Beispiele gibt es viele, etwa den Bombay Saphire, Tanqueray und viele, viele mehr.

Traditional Gin

Eine weitere gern benutzte Bezeichnung ist “Traditional Gin”. Für diese gibt es keine wirkliche Definition,  die World Gin Awards benutzten für ihre Klassifizierung folgende Erklärung :

“Ein hauptsächlich nach Wacholder schmeckender Gin, der an die Produkte der Londoner Gin Häuser im 19ten Jahrhundert erinnert. Zumindest ein Teil der Botanicals muss Teil der Destillierung sein.” Das bedeutet aber auch, dass nach der Destillierung Aromen hinzugefügt werden können, was bei einem London Dry nicht geht.  Ein Beispiel dafür ist der Granit Gin.

Compound Gin

Dieser Ansatz ist komplett anders als der London Dry: Compound Gin wird nicht erneut destilliert oder mit Botanical-Destillaten versehen, stattdessen werden die neutralen Destillate mit Aromen gemischt. Diese können natürlich sein (etwa getrocknete Wacholderbeeren oder Gewürze) oder künstlich (solange sie sich an die Vorgaben der EU-Richtlinie halten). Compund Gin ist günstig zu produzieren und muss nicht speziell gekennzeichnet werden. Die meisten Billig-Gins sind Compund Gins, es gibt allerdings auch sehr interessante Varianten, etwa den gelben Ungava Gin. Compound Gins kann man auch selbst machen, wenn man etwas Geduld hat, GinSpiration stellt ein passendes Kit hier vor.

Contemporary-Style oder Moderne Gins

Dieser lose Sammelbegriff umfasst Gins, bei denen die Wacholdernote zurückgenommen wurde.Die Bezeichnung steht vor allem für den Geschmack, weniger für die Herstellungsmethode. Es gibt Contemporary Style London Dry Gins, etwa den Elephant Gin . Hier geht es vor allem darum, die Gin-Definition auszuweiten und neue, köstliche Versionen zu entwerfen. Eins meiner persönlichen Highlights in diesem Bereich ist der der Gin Mare.

Cask und Barrel-aged Gin

Ähnlich wie bei Wein, Whiskey oder Rum kann man Gin in einem Fass reifen lassen. Die Idee dahinter ist, dass der Gin den Geschmack des jeweiligen Fasses (oder der davor gelagerten Spirituose) annimmt. Der vorherrschende Geschmack muss weiter Wacholder sein.

Genever bzw Jenever

Der Genever ist eigentlich kein Gin, sein Mindestalkoholgehalt liegt bei 35 % vol. Er gilt aber mit als Vorläufer des Gins und kommt vor allem aus den Niederlanden und Belgien. Beim Geschmack ist die Wacholdernote enorm stark ausgeprägt.

Sloe Gin oder Schlehengin

Der Sloe Gin ist ebenfalls kein traditioneller Gin sondern vielmehr ein Likör auf Gin-Basis. Dabei werden reife Schlehenfrüchte oder Schlehensaft in Gin angesetzt, denkt etwa an den klassischen Rumtopf. Um in der EU einen Sloe Gin verkaufen zu dürfen, muss der Hersteller Schlehen oder Schlehensaft nutzen, darf nur natürliche Aromastoffe oder -Extrakte verwenden und muss einen Mindestalkoholgehalt von 25 % vol vorweisen können (normale Liköre erlauben 15 % vol, sprich, die Ausgangsmasse kann weiter gestreckt werden).

Ich hoffe, ich konnte euch einen guten Überblick durch den Wirr-Warr der Gin Bezeichnungen geben. Wenn ich etwas vergessen habe, schreibt mir doch einen Kommentar.

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Über den Autor

Moritz Jaeger

Mo steht für Moritz Jaeger. Ich bin freier Journalist aus München und schreibe unter anderem für den TecChannel, ComputerWoche, GameStar, PC-Welt, CIO, ZDNet oder Security-Insider. Dieses Blog ist privat, hier geht es vor allem um Themen rund um IT, Geek-Kultur oder Comics. Außerdem probiere ich hier immer wieder neue Möglichkeiten aus, es kann also sein, dass ein paar Dinge nicht so hipp/schön/ausgereift sind – aber dafür sind Blogs ja da.

Ein Kommentar

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  • Hey Mo,

    vielen Dank für diese praktische Erklärung und Übersicht!
    Ein Freund von mir hat solche Infos immer bei Whisky parat, umso happier bin ich, dass ich da jetzt bei Gin dagegenhalten kann! 🙂
    In diesem Sinne: Zum Wohle!

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